Klimaänderungen und Naturschutz

Folgewirkungen der Klimaänderungen für den Naturschutz - ausgewählte Ökosysteme und Arten

Die Umwelt- und Naturschutzverwaltung Sachsens verfügt noch nicht über einen hinreichenden Kenntnisvorlauf zu möglichen Folgen von Klimaveränderungen im Bereich der Schutzgüter Arten, Biotope und Ökosysteme.

Unsere Aufgabe war, die Auswirkungen des für Sachsen prognostizierten
Klimawandels auf: Naturnahe Gewässeraue

  • den Naturhaushalt,
  • auf Lebensräume und
  • Arten (Flora und Fauna)

räumlich differenziert abzuschätzen. Für Sachsen liegen mehrere Prognosen
(z.B. Enke, Küchler und Sommer 2002; Enke 2003) vor, die unter Annahme einer Verdopplung des CO2-Gehalts der Atmosphäre eine deutliche Zunahme der Häufigkeit warmer Wetterlagen, was zu einer mittleren Änderung der Jahresmitteltemperatur von mehreren Grad bis 2050 führt, eine Abnahme der jährlichen Niederschlagssummen bei gleichzeitiger Zunahme der Häufigkeit lokaler Starkregenereignisse, eine Zunahme der Sonnenscheindauer und - regional differenziert - häufigere ausgeprägte Trockenperioden vorhersagen.

Unser Projekt hat die gegenüber diesem Klimawandel empfindlichsten Gebiete, Ökosysteme, Biotoptypen und Arten Sachsens herausarbeiten und die wahrscheinlichen Wirkungen auf den Naturhaushalt, auf Ökosysteme und Arten ermitteln. Wir stellten zunächst die wahrscheinlichen Wirkungen bzw. Wirkungsketten der für Sachsen prognostizierten Klimaänderungen über den Naturhaushalt auf Ökosysteme und Arten dar. Hierzu unternahmen wir eine ausführliche Literaturrecherche. Die durch den Klimawandel in Sachsen besonders betroffenen und naturschutzfachlich besonders relevanten Ökosysteme und Arten wurden von uns auf der Grundlage der vorliegenden Informationen über ihr Vorkommen und ihre klimatische Empfindlichkeit zusammengestellt, wobei wir eine mögliche Förderung bzw. Gefährdung differenziert behandelten.

Danach leiteten wir mögliche Trends für die Entwicklung ausgewählter Ökosysteme ab, die Zuwanderung bzw. Zunahme und/oder die Ausbreitung ausgewählter Wärme liebender und trockenheitstoleranter Pflanzen- und Tierarten. Ebenso behandelten wir den möglichen Rückgang bzw. die Abwanderung von ausgewählten Pflanzen- und Tierarten kühl-feuchter Standorte.

Ergebnisse:

Aus regionaler Sicht sind das sächsische Tief- und Bergland Räume hoher Empfindlichkeit gegenüber dem Klimawandel. Wir bearbeiteten vorrangig die Ökosysteme und Biotoptypen, die an kühl-feuchte Bedingungen und/oder einen hohen Grundwasserstand gebunden sind (z. B. Moore, Moorwälder, Laub(misch)wälder, Auwälder, Bruchwälder, Berg(misch)wälder, Quellen, Quellfluren, Nass- und Feuchtwiesen, Teiche etc.). Für diese Ökosystemtypen haben wir sachsenweite Karten der Betroffenheit, auf der Basis der Daten der Sächs. Biotopkartierung und der prognostizierten Veränderungen der Klimatischen Wasserbilanz, abgeleitet und konnten so die voraussichtlichen negativen Veränderungen für diese Biotoptypen quantifizieren. Weiter waren wegen der prognostizierten Erwärmung Arten mit engen ökologischen Ansprüchen an niedrige Temperaturen bzw. kühl-feuchte Bedingungen von besonderem Interesse. Aufgrund der ökologischen Ansprüche haben wir für einzelne Artengruppen wie höhere Pflanzen, Fische und Weichtiere die voraussichtlichen Anteile der geförderten bzw. der benachteiligten Arten unter den Bedingungen des prognostizieren Klimawandels abgeschätzt. Ebenso bearbeiteten wir mögliche Zuwanderungen oder Ausbreitungen von wärme-, trockenheits- und lichtliebenden Arten (z. B. bei Heuschrecken oder Libellen) oder Biotoptypen oder von Neophyten oder Neozoen mit entsprechenden ökologischen Ansprüchen.

In einem letzten Punkt wurden geeignete Maßnahmen und Strategien für den Naturschutz und die Landschaftspflege in Sachsen im Hinblick auf die Folgewirkungen von bereits eingetretenen und prognostizierten Klimaveränderungen für den Artenschutz, den Objekt- und Flächenschutz und die Biotopverbundplanung abgeleitet werden.