Ableitung von naturschutzfachlichen Zielaussagen

Ableitung von naturschutzfachlichen Zielaussagen am Beispiel des Mulde-Lößhügellandes

Die Entwicklung von naturschutzfachlichen Zielaussagen, die Erstellung von regionalen naturschutzfachlichen Leitbildern bzw. Umweltqualitätszielen und ihre kartografische Darstellung ist mehr denn je ein aktuelles Thema. Es besteht jedoch ein erheblicher Dissens über die Ausgestaltung von Leitbildern und Umweltqualitätszielkonzepten sowie über die Vorgehensweisen bei der Zielableitung. Der Naturschutz benötigt jedoch auf den unterschiedlichen räumlichen Ebenen, auf denen er agiert (Land, Regierungsbezirk bzw. Naturraum und Landkreis), naturschutzfachliche Leitbilder.

Das FuE-Projekt "Naturschutzfachliche Ziele und Handlungsgrundsätze in ausgewählten Naturräumen Sachsens, am Beispiel des Mulde-Lößhügellandes" beschäftigte sich daher mit der systematischen Ableitung von naturschutzfachlichen Leitbildern und Handlungsgrundsätzen mit den in Sachsen verfügbaren Informationsquellen.

Ein wesentliches Anliegen des FuE-Projekts war die Erarbeitung von verallgemeinerungsfähigen Methoden, naturschutzfachliche Leitbilder auf der Basis vorhandener Datengrundlagen wie z. B. Selektive Biotopkartierung, Artenerfassungsprogramme, CIR-Interpretation, Verbreitungsatlanten, geologischer und bodenkundlicher Karten und sonstige Fachliteratur.

Die Flächenansprüche und die Zielvorstellungen des Naturschutzes im Naturraum Mulde-Lößhügelland waren in Karten darzustellen, zu begründen, zeitlich und räumlich zu konkretisieren und mit Prioritäten zu versehen. Die naturschutzfachlichen Zielvorstellungen sollten biotische und abiotische Schutzgüter berücksichtigen und nicht sektoral (nur Boden oder nur Biotoptypen oder nur Arten), sondern ökosystemar abgeleitet werden. Weiter sollten sie praktisch ermittelbar aus vorhandenen Kartenwerken und auf der Ebene der TK50 räumlich konkret sein, aber für nachfolgende Planungen noch Spielräume offen lassen. Insgesamt sollte ein praxisbezogener Ansatz zur Entwicklung von Zielvorstellungen des Naturschutzes entwickelt werden.

Kartenausschnitt

Im FuE-Projekt wurden diese Zielaussagen aus einer Auswertung der CIR-Luftbilddaten, der Selektiven Biotopkartierung, aus Arten-Katastern und Verbreitungsatlanten sowie aus ausgewählten Bereichen des abiotischen Ressourcenschutzes (v. a. Schutz des Bodens und des Wassers und entsprechende Kartenwerke hierzu) abgeleitet. Die Zielkarten des FuE-Vorhabens haben wir mit unserem GIS ArcView erarbeitet. Unsere angewandten Methoden sind auch in größeren Maßstäben (z. B. TK25, TK10) grundsätzlich verwendbar, z. B. in der Landschaftsplanung oder bei der Erstellung von Landkreis-bezogenen Leitbildern.

Für die Zwecke des FuE-Projekts erschien uns die durchgehende Verwendung einer fünfstufigen ordinalen Wert-Skala der günstigste Weg zur Lösung der Aufgabenstellung, so dass wir auf der Ebene von Arten, Biotoptypen bzw. CIR-Strukturtypen und Biotopkomplexen mit fünf Wertstufen der Bedeutung (sehr hoch, hoch, mittel, niedrig, sehr niedrig) gearbeitet haben. Damit wurde die Erstellung einer Bewertungskarte möglich (z. B. für alle gefährdeten oder stark gefährdeten CIR-Kartiereinheiten bzw. davon abgeleiteter Biotoptypen).

Die räumlichen Schwerpunkte wertvoller und sehr wertvoller Flächen, aber auch Defiziträume, lassen sich damit in kartografischen Darstellungen erkennen. Hieraus wurden Zielaussagen zur Erhaltung und zur Entwicklung abgeleitet und kartografisch dargestellt.