Naturbelassung

Erhebung zur Naturbelassung von Gewässerbereichen im Regierungsbezirk Leipzig

Durch das August-Hochwasser im Jahr 2002 entstanden um die Gewässer Vereinigte Mulde, Freiberger Mulde, Zschopau, Striegis und Elbe 71 Flächen, die von uns im September und Oktober 2003 nach den Vorgaben des Werkvertrages "Erhebung zur Naturbelassung von Gewässerbereichen im Regierungsbezirk Leipzig" untersucht wurden. Die Struktur- und Biotoptypen dieser Flächen wurden von uns kartiert, in einem GIS-Projekt (ArcView 3.2) dokumentiert und in einer selbst entwickelten Datenbank beschrieben.

Die meisten Flächen weisen gewässermorphologisch und naturschutzfachlich sehr wertvolle Strukturen auf.

UferabbruchDiese Strukturen bereichern die Ufer- oder Auenmorphologie und erhöhen damit die Gewässerstrukturgüte. Sie weisen häufig differenzierte Sohl- und Laufstrukturen auf (Rauschen, Flachwasserzonen, überströmte oder trocken fallende Kiesuferbänke oder Kiesinseln, erhöhte Tiefen-, Breiten- und Strömungsdiversität). Die durch das Hochwasser entstandenen Flächen sind bereits aktuell oder werden potentiell in Zukunft wertvolle Lebensräume, u. a. für gefährdete Tier- und Pflanzenarten (z. B. Eisvögel, Uferschwalben, aber auch Wildbienen; Pionierpflanzen, Rohbodenbesiedler und Schlammlings-Fluren). Die ausgedehnten Sedimentationsräume von Kies- und Sand stellen wertvolle Pionierstadien der Vegetationsentwicklung dar, aus denen sich über Pionierfluren durchaus auch gefährdete Biotoptypen wie Sand-Magerrasen bilden können.

Durch die verbesserte Strukturgüte der Fließgewässer können sich mehr Fließgewässer- und Auen-typische Artengemeinschaften entwickeln, die sich wiederum günstig auf die Selbstreinigungsleistung (Gewässergüte) auswirken. Auch limnologisch und aus wasserwirtschaftlicher Sicht stellen die neu entstandenen Strukturen somit eine Bereicherung und starke Aufwertung der jeweiligen Gewässerabschnitte dar. Auf einigen Flächen hat bedauerlicherweise bereits eine Beräumung stattgefunden: sie werden als Acker, Rinderweide oder Pferdekoppel genutzt oder für sonstige Nutzungen verwendet.

Für die untersuchten Naturbelassungsflächen wurde eine Reihe von Maßnahmenvorschlägen entwickelt, unter Berücksichtigung wasserwirtschaftlicher und naturschutzfachlicher Aspekte. Die wichtigsten Maßnahmen aus naturschutzfachlicher Sicht sind der Kauf von Flächen und die Überlassung zur Selbstentwicklung oder die Fortführung bzw. Aufnahme einer Beweidung in extensiver Form, gefördert durch das NAK-Programm " extensive Beweidung".

Eine 20-jährige Flächenstilllegung kann aus ökonomischen Gründen kaum befürwortet werden, da dies wesentlich teurer ist als der Kauf der Flächen, wie eine Kostenvergleichsrechnung ergab. Neben den bearbeiten 71 Flächen gibt es in den betroffenen Tälern weitere, bislang unbearbeitete Flächen, die im Jahr 2004 systematisch erhoben und beschrieben werden sollten. Wir rechnen mit mindestens ca. 30-40 % der bereits bearbeiteten Fläche