Naturerlebnis Grünes Band

Naturerlebnis Grünes Band - naturschutzfachlicher Teil

Bereits im Jahr 2001/2002 konnte durch das EuE-Vorhaben "Bestandsaufnahme Grünes Band" die sehr hohe naturschutzfachliche Bedeutung des Grünen Bandes herausgearbeitet werden. Das Grüne Band Deutschland hat jedoch ebenso enorme geschichtliche und auch touristische Bedeutung. Dieses größte Biotopverbundsystem Deutschlands wird jedoch bedroht durch verschiedene Beeinträchtigungen. Seit der Grenzöffnung fanden und finden jedoch Eingriffe durch landwirtschaftliche Nutzung statt, wie Umbruch zu Acker und intensive Grünlandnutzung. Dies zieht Folgen wie die Verringerung der Breite des Grünen Bandes oder dessen Zerstörung in Teilbereichen unweigerlich nach sich. Damit wird die naturschutzfachliche, als auch die touristische und geschichtliche Bedeutung des Grünen Bandes gefährdet.

Großes Bruch

Die Abbildung rechts zeigt einen intensiv genutzten Ausschnitt aus dem bundesweiten Schwerpunktgebiet Großes Bruch. Es ist hauptsächlich aufgrund seines extensiv genutzten Grünlands von großer Bedeutung, das zusammen mit Feuchtflächen Nahrungs- und Brutplätze für seltene und wertvolle Vogelarten bietet. Leider haben auch hier große Bereiche durch intensive Nutzung an Bedeutung verloren.

 

Aufgabenstellung

Es wurde daher notwendig eine Analyse durchzuführen, wie viel Kilometer Länge dieses größten zusammenhängenden Biotopverbundsystems beeinträchtigt sind (lineare Analyse). Außerdem sollte eine Analyse des Ist-Zustandes des touristischen Angebots entlang des Grünen Bandes erfolgen mit dem Ziel, einen umfassenden Überblick über das bisherige touristische Angebot zu erhalten und bestehende oder mögliche Konflikte mit den naturschutzfachlichen Anforderungen zu ermitteln.

Im Rahmen des Projektes wurden folgende Materialien mit Hilfe des ArcView 3.2 erstellt, um über detaillierte und anschauliche Grundlagen für die Konzeptentwicklung zur Umsetzung und Akzeptanz des Biotopverbundes Grünes Band mittels nachhaltiger Nutzungsformen in der geplanten Hauptuntersuchung zu verfügen:

Kartographische Darstellung der touristischen, historischen/kulturellen Angebote und der Angebote der nachhaltigen Regionalentwicklung im Kontext mit dem naturschutzfachlichen Leitbild des Biotopverbundes Grünes Band.

Ziel der Untersuchung

war die Analyse vorhandener Lücken bzw. Beeinträchtigungen im Grünen Band, um in der Hauptphase Konzepte zum Lückenschluss unter Beteiligung der Akteure vor Ort zu entwickeln und umzusetzen.

Zu den thematischen Schwerpunkten der Vorstudie "Erlebnis Grünes Band" gehören insbesondere:

  • die Recherche potentieller Akteure und Kooperationspartner
  • die Entwicklung eines touristischen Dach-Leitbildes für den nationalen Lebensraumverbund Grünes Band;
  • die Recherche bestehender Initiativen und Projekte zur nachhaltigen Regionalentwicklung am Grünen Band (Direktvermarktung, Öko-Landbau);
  • die Ermittlung geeigneter und repräsentativer Modellregionen am Grünen Band (2-3 repräsentativen Modellregionen) zur modellhaften Erprobung des naturschutzgerechten Marketing-Konzeptes.

Die Ergebnisse der Recherchen und Analysen wurden in das bereits bestehende GIS-Projekt der Bestandsaufnahme des Grünen Bandes (BN 2002), welches bereits die naturschutzfachlichen Daten zu Biotoptypen, Schutzgebieten, Tier- und Pflanzenarten etc. enthält, eingearbeitet und jeweils kartographisch dargestellt. Auf diese Weise konnten Zusammenhänge und Abhängigkeiten ausgewertet und anschaulich abgebildet sowie für die Hauptuntersuchung besonders geeignete oder sehr störungsempfindliche Bereiche identifiziert werden.

Ergebnisse

In drei ausgewählten Modellgebieten Elbaue/Altmark, Harz und Vorland sowie Frankenwald wurden im Sommer und Herbst 2005 die Biotoptypen überprüft. Seit der Erhebung im Rahmen des E&E-Projektes "Bestandsaufnahme Gr. Band" im Jahr 2001 wurden eine Reihe von Veränderungen festgestellt, die im Rahmen des Projektes ausführlich dokumentiert wurden. Für ausgewählte Bereiche existiert eine Fotodokumentation, welche ebenfalls im GIS dokumentiert ist.

Die folgende Abbildung rechts zeigt das Ausmaß der Beeinträchtigungen (Längenanteile in %) für die Schwerpunkt- und Entwicklungsgebiete, jeweils bezogen auf ihre Gesamtlänge (lineare Analyse, nach dem Datenstand des E&E-Projektes aufgrund der Biotopkartierung im Jahr 2001). Zustand der Schwerpunktgebiete im Grünen Band

Hauptsächlich Acker und intensiv genutztes Grünland sind mit zusammen ca. 80 % die am häufigsten auftretenden Beeinträchtigungsformen, danach folgen versiegelte Bereiche in Form von neuen Siedlungsgebieten und Verkehrswegen. In knapp der Hälfte aller beeinträchtigten Bereiche wurde das Grüne Band fast oder vollständig zerstört.

Insgesamt sind heute rund 19 % des gesamten Grünen Bandes beeinträchtigt, überwiegend durch Intensivgrünländer und Ackerflächen. Am schwersten betroffen sind die Schwerpunktgebiete "Schaalseelandschaft" und "Großes Bruch", sowie die Entwicklungsgebiete "Defizitraum westlich Öbisfelde bis Walbeck", "Defizitraum Beendorf bis südlich Hödensleben" und "Unteres Eichsfeld von Weilrode bis Freienhagen".

Auswertungen mit Hilfe eines 10 x 10 km Rasters:

  • ADFC-Radwanderkarten und die Landkreise wurden nach benannten Fernradwegen untersucht mit dem Ergebnis: Das Grüne Band ist bis auf ein paar wenige Landkreise gut durch Radfernwege erschlossen.
  • aus dem ADAC-Straßenatlas 2005 der Firma Ravenstein wurden die Landkreise entlang des Grünen Bandes auf Einrichtungen hin, die für Autofahrer touristisch interessant sind, ausgewertet mit dem Ergebnis: Für Autofahrer gibt es entlang des kompletten Grünen Bandes interessante Lokalitäten/Strecken.
  • die Kompass Wanderkarten wurden nach Fern- und Hauptwanderwegen untersucht mit dem Ergebnis: Es konnte ein deutliches Nord-Süd-Gefälle bezüglich der Einrichtungen für Wanderer festgestellt werden (da im Norddeutschen Flachland eher weniger Wanderwege), aber in vielen Fällen auch ein West-Ost-Gefälle (westlich des grünen Bandes gelegene Landkreise besitzen mehr und besser ausgestattete Wanderwege).

 

Weiterhin wurden die Informationsangebote der Naturparke entlang des Grünen Bandes und die Grenzlandmuseen auf Hinweise auf die Existenz bzw. die naturschutzfachliche Bedeutung des Grünen Bandes hin überprüft. Die naturschutzfachliche Bedeutung des Grünen Bandes erscheint lediglich auf der Ebene von Naturschutzverbänden etabliert zu sein, außerhalb dieser Kreise wird die naturschutzfachliche Bedeutung kaum oder nicht wahrgenommen. So sind sowohl bei den Grenzmuseen als auch bei den am Gr. Band liegenden Naturparken kaum textliche Informationen zum Grünen Band auf den jeweiligen Homepages oder schriftlichen Informationen (Broschüren, Faltblätter etc.) vorhanden gewesen.

Es wurde daher eine Reihe von Möglichkeiten (Wandtafeln, Anregungen für Internet-Auftritte, Broschüren, Faltblätter, Vorträge, geführte Wanderungen, Umweltbildungskonzepte uvm.) aufgezeigt, die bessere Informationen zum Grünen Band und seiner naturschutzfachlichen und geschichtlichen Bedeutung vermitteln können. Außerdem wurden im naturschutzfachlichen Bereich Konzepte und Ideen zur Schließung entstandener Lücken im Biotopverbund ebtwicklet. Für etliche Modellgebiete entlang des Grünen Bandes wurden konkrete Projekte geplant und vorgeschlagen, die in einer detailierten Übersicht im Endbericht enthalten sind.

Weitere Informationen zum "Grünen Band" finden Sie auf der Homepage des Bundesamts für Naturschutz unter www.bfn.de und auch des BUND - Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland unter www.bund.net.