Geodaten-Grundlage für Europa

Forschungs- und Entwicklungsvorhaben "Schaffung einer gemeinsamen Geodaten-Grundlage als fachliche Basis für Erhaltung und Entwicklung des Grünen Bandes Europa"

Anlass

Das Forschungs- und Entwicklungsvorhaben "Schaffung einer gemeinsamen Geodaten-Grundlage als fachliche Basis für Erhaltung und Entwicklung des Grünen Bandes Europa" soll die Voraussetzungen auf der Ebene geographischer und sachlicher Daten schaffen, um internationale und nationale Schutzbemühungen (z. B. Ausweisung und Planung von Schutzgebieten und Verbundstrukturen, Steuerung der Landnutzung) für den europaweiten Biotopverbund "Grünes Band Europa" auf eine fachliche Basis zu stellen. Das Vorhaben soll eine gemeinsame Geodaten-Grundlage erstellen, die aus den Informationen der beteiligten Anrainer-Staaten zusammengeführt werden soll.

Neben der naturschutzfachlichen ist die politische Dimension des Projekts zu sehen: Grenzüberschreitende Naturschutzprojekte tragen zur Integration der Menschen über politische Grenzen hinweg bei. Das Grüne Band Europa leistet aufgrund seiner Geschichte dabei nicht nur einen speziellen Beitrag bei der Verständigung zwischen Ost- und Weststaaten, Alt- und Neu- EU-Staaten sowie Beitrittskandidaten, sondern kann auch die Anliegen des Naturschutzes einer breiten, internationalen Öffentlichkeit verdeutlichen.

Aufgabenstellung

Zur Schaffung einer gemeinsamen Geodaten-Grundlage als fachliche Basis für Erhaltung und Entwicklung des Grünen Bandes Europa wurden die Informationen aller 23 beteiligten Staaten zusammengeführt und folgende thematischen Schwerpunkte bearbeitet:

  • Konzeption und Durchführung der Vereinheitlichung der Geodaten
  • Konzeption und Schaffung einer einheitlichen Struktur für alphanumerische Informationen (Sachdaten, Gebietsinformationen)
  • Darstellung von Schwerpunktgebieten und prioritäre Maßnahmen
  • Erarbeitung eines Informationsangebots sowie Präsentation und Veröffentlichung der Ergebnisse.

 

Methode

Ein einheitliches geodätisches Bezugssystem, ein einheitliches Koordinatenreferenzsystem und Kartenprojektionen, zu denen sich seit 1989 alle Mitgliedsstaaten des Europarates verpflichtet haben, liegt unter dem Namen ETRS89 (European terrestrial reference system 1989) vor (mit dem Bezugsellipsoid GRS80, identisch zu WGS84, und dem Zentralpunkt: ITRF89). Alle nationalen sowie internationalen GEO-Daten zu Schutzgebieten am Grünen Band Europa, soweit sie noch nicht in diesem geodätischem Bezugssystem vorliegen, wurden durch kartographische Transformations- und Projektionsprozesse vereinheitlicht und geodätische Datumsübergänge (Transformation der Referenzsysteme) und Karten-Abbildungsänderungen (Projektionen) durchgeführt. Damit konnten in einem einzigen Geografischen Informationssystem (ArcGIS 9 der Firma ESRI) alle erhältlichen geografischen Informationen gespeichert, verwaltet und für weitere Auswertungsschritte aufbereitet werden.

Grünes Band in den UTM-Zonen

Für den Aufbau der Datenbank wurde die NATURA2000-Datenbank verwendet. Falls von den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union keine NATURA2000-Datenbank zur Verfügung gestellt wurde, wurde ersatzweise die von der EUA im Internet (seit Dezember 2006) zum Download bereit gestellte Datenbank verwendet, die jedoch unvollständig ist, den Datenstand August 2006 wiedergibt und je nach Land unterschiedlich vollständige Angaben enthält. Die Recherchen und Versuche, trotz der mangelnden Kooperation und Datenbereitstellung mancher Länder zumindest zu Notlösungen (z. B. Mittelpunktskoordinaten von Gebieten) zu kommen, waren von Zeitaufwand her umfangreicher als die Bearbeitung der kooperativen Länder. Die Daten sind nicht zuletzt aufgrund der diversen Kooperationsqualität inhomogen.

Zur Ermittlung der Elemente eines internationalen Biotopverbundes wurde im Frühjahr 2006 in Abstimmung mit dem BfN ein Auswahl- und Aggregationsverfahren konzipiert und auf die Schutzgebietsdaten am deutschen Grünen Band angewendet. Nach mehreren Überarbeitungen und Anwendungen auf das deutsche Grüne Band (letzter Stand Mai 2006) wurde das mit dem BfN abgestimmte Auswahlverfahren auf alle Gebiete entlang des europäischen Grünen Bandes angewendet.

Ergebnisse

Für das Grüne Band Europa wurden fast 400 aggregierte Gebiete, so genannte Green Belt Areas, ermittelt, wobei jedes Gebiet zwischen 1 und maximal 62 Teilgebiete mit unterschiedlichem Schutzstatus enthält. In der Datenbank befinden sich bei über 300 Gebieten - neben den Informationen zu Arten und Habitaten - ausführliche textliche Informationen zur Gebietsbeschreibung dieser Teilgebiete (v.a. aus NATURA2000-Datenbanken, aber auch aus Internet-Quellen oder sonstigen Quellen).

Folgende Abbildung: Auschnitt aus dem GIS-Projekt mit Einblendung der Schutzgebietsdaten von Deutschland, Tschechien, Slovakai und Griechenland und des Grünen Bandes mit 25- und 50 km Puffer.

GIS-Ausschnitt Grünes Band

Das GIS-Projekt besteht aus mehreren Projekten zur Kartenerstellung für alle Länder entlang des Grünen Bandes Europa und einem Hauptprojekt mit folgenden Inhalten und Eigenschaften:

  • Das GIS-Projekt ist in Englisch erstellt, die Benennung aller Datenrahmen und Layer erfolgt in Englisch.
  • Es gibt drei Daten-
    rahmen: externe Daten (vor Verarbeitung), ganz Europa (Übersicht über gesamts Grünes Band) und für die drei Regionen Fenno-
    skandien/Baltikum, Zentraleuropa und Balkan.
  • Die Kartengrundlagen ("basemap" = Grundlagendaten der Fa. ESRI, in ArcGIS9.1 enthalten) wie Städte, Flüsse, Seen, Straßen, Bahnlinien. Die Ländergrenzen befinden sich im System ETRS LAEA und ebenso das grob digitalisierte (Maßstab 1:4 Mio) Grüne Band Europa.
  • Die CORINE-Daten wurden aussortiert und verarbeitet: Die Daten um das Grüne Band wurden gebuffert (100 km bei Fin/No/Rus und 50 km bei den übrigen Staaten).
  • Die von den GB-Ländern bereit gestellten GIS-Daten wurden zusammengestellt, ins ArcGIS-Projekt importiert und in die erforderlichen Koordinatensysteme transformiert.
  • Punkte (Mittelpunkte von geschützten Gebieten) wurden aus der EUA-Datenbank oder den EUNIS-SiteFactSheets als "Notlösungen" für die Länder extrahiert, die keine GIS-Daten bereit gestellt haben, im GIS in den jeweiligen Pufferzonen verschnitten und mit dem Auswahlverfahren zu "Grünes Band-Gebieten" aggregiert.

 

Bei 78 Gebieten am Grünen Band Europa konnte eine enge Benachbarung zu weiteren Gebieten (v.a. Kerngebieten) auf der anderen Seite des ehemaligen Eisernen Vorhangs ermittelt werden. Daneben wurden allein 8 Gebiete nur deswegen als Teile des Grünen Bandes Europa aufgenommen, weil sie im Verbund mit weiteren Gebieten auf der benachbarten Seite des Grünen Bandes die Mindestkriterien erfüllten. Diese ca. 80 von 393 Gebieten sind besonders prädestiniert, aufgrund ihrer Knotenfunktion im ökologischen Netzwerk, zu Zentren oder besonders herausgehobenen Kerngebieten des Grünen Bandes Europa zu werden, einmal hinsichtlich des Naturschutzes, zum anderen hinsichtlich der Kommunikation und Kooperation zwischen den beteiligten Ländern bzw. Schutzgebietsverwaltungen.

Die Ergebnisse unseres Projekts, das wir im Auftrag der IUCN, der Internationalen Naturschutz-Organisation, durchgeführt haben, wurden bei der Abschlusstagung in Bratislava am 18.-21. November 2007 einem internationalen Auditorium mit über 60 TeilnehmerInnen aus 18 Staaten vorgestellt und stellen nun die zentrale Basis für weitere Bemühungen zum Schutz, zur Erhaltung und zur nachhaltigen Entwicklung des Grünen Bands Europa dar.

Weitere Informationen zum "Grünen Band" finden Sie auf der Homepage des Bundesamts für Naturschutz unter www.bfn.de und auch des BUND - Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland unter www.bund.net.

Die Green Belt Areas wurden auf einer für das Internet aufbereiteten interaktiven Karte darstellt. Die Karte zeigt alle Schutzgebiete entlang des Grünen Bandes von Norwegen im Norden bis Griechenland im Süden und bietet damit eine europaweite Zusammenschau. Ein grenzüberschreitender Überblick über geschützte Bereiche entlang des Grünen Bandes Europa ist somit einfach per Mausklick möglich: www.europeangreenbelt.org

Hier ein Ausschnitt (Detailkarte mit Legende) aus der interaktiven Karte. Sie wurde von uns mithilfe von Webview 2.3 Pro für ArcGis 9.x der Firma Zebris erstell und in Englisch verfasst. Diese interaktive Karte wurde auf der Homepage von Zebris in der Rubrik "Beispiele und Kundenlösungen" als Beispielprojekt aufgenommen (www.zebris.com).

Ausschnitt interaktive Karte