Libellen im Obermain-Tal

Dr. Schlumprecht beim Exuvien-SammelnWir untersuchen im Auftrag des Bund Naturschutz in Bayern die Libellenfauna des Obermaintales, von Bamberg bis Hochstadt (Oberfranken, Bayern). Aufgabe ist ein Vergleich mit einer Kartierung aus dem Jahr 1990 und die Dokumentation der Veränderungen. Einerseits fand im Maintal eine zunehmende Nutzungsintensivierung (Bebauung, Straßenbau etc.) statt, andererseits werden seit mehreren Jahren vom Wasserwirtschaftsamt Maßnahmen zur Renaturierung des Mains und der Main-Aue durchgeführt.

Neben dem Main suchen wir gezielt Altwässer und Altarme, Baggerseen und Nebenbäche auf, um die Libellen zu erheben. Besonderes Augenmerk wird auf die Renaturierungsstrecken am Main oder renaturierte ehemalige Abbaustellen, die jetzt "Altarme aus zweiter Hand" sein können, gelegt.

Neben der Suche nach erwachsenen Libellen führen wir auch gezielte Aufsammlungen von Exuvien, insbesondere zum Nachweis von Gomphus vulgatissimus und Gomphus pulchellus durch. Diese früher nur durch Einzelfunde bekannten Arten waren im Mai und Juni 2003 sowohl durch Exuvienfunde als auch bei den mit Kanus durchgeführten Kartierungen der adulten Tiere im frei fließenden Teil des Mains zwischen Hausen und Baunach fast durchgehend verbreitet.

Manchmal haben wir auch das Glück, seltene Arten gerade beim Schlüpfen anzutreffen. Schlupf einer Libelle

Bislang nachgewiesene gefährdete Libellenarten der Roten Liste Bayerns oder Deutschlands sind:

  • Gemeine Keiljungfer (Gomphus vulgatissimus): sehr häufig
  • Frühe Heidelibelle (Sympetrum fonscolombei)
  • Fledermaus-Azurjungfer (Coenagrion pulchellum): häufig in den Altarmen
  • Früher Schilfjäger (Brachytron pratense)
  • Kleine Zangenlibelle (Onychogomphus forcipatus): stellenweise häufig Exuvien
  • Kleine Pechlibelle (Ischnura pumilio)
  • Westliche Keiljungfer (Gomphus pulchellus): häufig

 

Als Besonderheit wurde erstmals im Obermaintal die mediterran verbreitete Feuerlibelle (Crocothemis erythraea) festgestellt. Es gelangen mehrere Nachweise an einem Baggersee im südlichen Teil unseres Arbeitsgebietes, darunter ein frisch geschlüpftes, noch unausgefärbtes Tier (Nachweis der Bodenständigkeit).