Stadtbiotopkartierung Bayreuth

In der faunistischen Aktualisierung der alten Stadtbiotopkartierung Bayreuth wurden 1997/1998 Vögel, Heuschrecken, Libellen, Tagfalter und Amphibien untersucht.

Vögel

In 59 Untersuchungsflächen (Schwerpunkt Siedlungs- und Offenland-bereiche) suchten wir gezielt nach RL-Arten Bayerns bzw. nach anspruchsvollen Arten. Neben der Kolbenente (RL 1) erbrachten wir weitere Brut-Hinweise und -Nachweise von vier Vogelarten der RL-Stufe 2 ("stark gefährdet") sowie acht Arten der Stufe 3 ("gefährdet"). Als besonders wertvolle Flächen wurden von uns die Siedlungsbereiche mit Parkanlagen, aber auch Hecken- und Gehölzstrukturen bzw. Waldflächen mit hohem Altholzanteil eingestuft. Neben Schutz- und Pflegemaßnahmen (v.a. Unterschutzstellung) ist eine Verringerung von Beeinträchtigungen der Brut- und Nahrungsgebiete erforderlich.

Amphibien

Wir untersuchten 48 Flächen, in denen insgesamt acht Amphibien-Arten nachweisbar waren. Ein Rückgang der durchschnittlichen Zahl an Amphibien pro Gewässer ist festzustellen. Lediglich vier Gewässer können noch als besonders wertvolle Flächen bezeichnet werden. Die meisten Stillgewässer im Stadtgebiet werden intensiv genutzt, sie unterliegen der fischereilichen Nutzung bzw. der Nutzung als Hobby-Angelteich. Strukturreiche Verlandungszonen fehlen, wo sich Amphibienlaich ungestört entwickeln könnte. Schutzmaßnahmen sind in erster Linie im Erhalt und der Unterschutzstellung der wenigen strukturreichen Stillgewässer sowie in der Entwicklung von Verlandungszonen und einer Extensivierung der Teichwirtschaft zu sehen.

Tagfalter

42 Flächen wurden im Stadtgebiet Bayreuth nach Tagfaltern und Widderchen untersucht. Nachgewiesen wurden 64 Tagfalter-Arten und 8 Widderchen, wobei 25 Tagfalter und 7 Widderchen auf der Roten Liste Bayern sind. Bei Tagfaltern ist ein Rückgang der Arten, die trocken-warme Lebensräume besiedeln, festzustellen. Notwendige Schutz- und Pflegemaßnahmen sind die Unterschutzstellung, die Lebensraum-Erhaltung und -Verbesserung durch eine extensive und pflegliche Nutzung (v.a. extensive Mahd und Beweidung) sowie die Biotopvernetzung, insbesondere durch eine extensive Nutzung von Säumen.

Libellen

Diese Artengruppe haben wir in 33 Untersuchungsgebieten (Still- und Fließgewässer), mit insgesamt 28 Libellenarten, beobachtet. Davon sind 10 in der RL Bayern verzeichnet. An Stillgewässern war ein Rückgang der Artenzahlen zu beobachten, während an Fließgewässern mehr gefährdete Arten als 1986 ermittelt werden konnten. Die Fließgewässer sollten durch ein Fließgewässerkonzept ganzheitlich geschützt werden. Bei stehenden Gewässern sollte die teichwirtschaftliche Nutzung extensiviert, strukturreiche Verlandungszonen entwickelt und eine Eutrophierung des Umfelds durch Einschränkung der Düngung verringert werden.

Heuschrecken

Untersucht wurden 37 Flächen, hierbei wurden 22 Heuschreckenarten gefunden, davon 10 RL-Arten. Bei Heuschrecken ist wie bei den Tagfaltern ein Rückgang der Arten, die trocken-warme Lebensräume wie z. B. Magerrasen (die wichtigsten Lebensräume von Heuschrecken) und magere Wiesen oder Streuobstbestände besiedeln, festzustellen. Die größten Beeinträchtigungen ergeben sich aus einer Intensivierung der Flächennutzung. Außerdem besteht Bedarf für ein Pflege- und Entwicklungskonzept für Mager- und Trockenstandorte und für gezielte Pflegemaßnahmen, um diese Lebensräume in ihrer Qualität zu erhalten oder wieder zu entwickeln. Positive Entwicklungen haben sich bereits bei einigen Entbuschungs- und Beweidungsmaßnahmen gezeigt.