Schutz heimischer Krebse

Projekt zum Schutz des heimischen Stein- und Edelkrebses im Einzugsgebiet der Wiesent (2001-2003)

Auftraggeber: Bezirk Oberfranken, Fachberatung für Fischerei.

Förderung: Bayerischer Naturschutzfonds

"...In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts importierten schwedische Krebsliebhaber den Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus) von der Pazifikküste Nordamerikas nach Europa. Trotz ernster wissenschaftlicher Bedenken und Warnungen versuchte man, mit ihm den weitgehend ausgestorbenen Edelkrebs zu ersetzten. Die Folge war, dass die meisten der noch verbliebenen Restbestände des Edelkrebses vernichtet wurden, denn der Signalkrebs ist ebenfalls ein ein latenter Dauerüberträger der Krebspest. Dennoch wurde er von Schweden aus in viele Länder Europas verkauft und - oft illegal - ausgesetzt. Auch in Bayern entstanden durch leichtfertigen Besatz Bestände, die sich von Teichen ausgehend in Fließgewässer ausbreiten..." (BOHL et al. 2001).

Im Einzugsgebiet der Wiesent, in dem neben dem Edelkrebs (Astacus astacus) eine zweite heimische Art, der stark gefährdete Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) vorkommt, wurde der Signalkrebs erstmals am Ailsbach festgestellt: Nach der Entdeckung des aus Nordamerika stammenden Signalkrebses (Pacifastacus leniusculus) durch Dr. Klupp im Jahr 1997, direkt oberhalb bereits bekannter Vorkommen des in Bayern stark gefährdeten Steinkrebses (vgl. SCHADT 1993), wurde in den Folgejahren die weit fortgeschrittene Ausbreitung und die enorme Siedlungsdichte des Neubürgers in Aßbach, Harbach, Opplesgraben und im obersten Ailsbachverlauf deutlich. Zum Schutz der knapp unterhalb der Signalkrebsbestände im Ailsbach lebenden Steinkrebse wurde beschlossen, einen Förderantrag für ein Naturschutzprojekt zu formulieren, der beim Bayerischen Naturschutzfonds eingereicht werden sollte.

In einer Zusammenarbeit zwischen der Fachberatung für Fischerei (Dr. Klupp und Mitarbeiter), der Regierung von Oberfranken (Höhere Naturschutzbehörde; Herr Eicke), dem Landratsamt Bayreuth (Untere Naturschutzbehörde; Herr Lange), der Universität Bayreuth (LS Biogeografie; Dr. Hochwald) und dem Büro für Ökologische Studien wurde zunächst ein Untersuchungskonzept erstellt (Juli 1999). Im September 1999 wurde durch die Fachberatung für Fischerei eine erste Kostenschätzung für Maßnahmen an den Bezirk Oberfranken geleitet. Der Förderantrag beim Bayerischen Naturschutzfonds wurde im Oktober 1999 gestellt. Es folgten mehrere Abstimmungstermine mit den Projektträgern, die das Naturschutzprojekt mit einem Anteil von zusammen 50% finanzieren:

  • Bezirk Oberfranken,
  • Landkreis Bayreuth,
  • Bezirksfischereiverband Oberfranken und
  • Landesbund für Vogelschutz.

 

Im Dezember des Jahres wurden die für den Fang-Wiederfang nötigen Gerätschaften (Reusen, Zange zum Markieren der Krebse) und Fachliteratur beschafft. Bestandteil der vertraglichen Leistungen war es, Erfassungsmethode, Planung und Durchführung aller Maßnahmen mit dem Landesamt für Umweltschutz und dem Landesamt für Wasserwirtschaft abzustimmen.

Bis zum Beginn der ersten Fangsaison 2001 wurde von der Fachberatung für Fischerei für die eingesetzten Hilfskräfte eine fischereiliche Erlaubnis ausgestellt. Die fischereiberechtigten Pächter am Ailsbach und Aßbach sowie die Gemeine Ahorntal (für Opplesgraben und Harbach) erteilten den jeweils eingeteilten Bearbeitern ebenfalls entsprechende Erlaubnisse, so dass mit den ersten Fängen im Frühjahr 2001 begonnen werden konnten. Die Fänge des Jahres 2001 wurden bis September durchgeführt. Es wurde ein Zwischenbericht für das abgelaufene Jahr 2001vorgelegt, in dem alle projektrelevanten Daten, Erkenntnisse und Diskussionsergebnisse kurz und in übersichtlicher Form schriftlich fixiert und für alle Projektbeteiligten zur Verfügung gestellt wurden.

An dieser Stelle soll abschließend darauf hingewiesen werden, dass der Signalkrebs in Oberfranken nicht nur innerhalb des Wiesent-Einzugsgebietes vorkommt. Daten zur aktuellen Verbreitung wurden v.a. im Vorfeld des Steinkrebs-Projektes gesammelt; es wurden uns jedoch auch im Jahr 2001 weitere potentielle Vorkommen gemeldet, die von uns bestätigt werden konnten. Alle Funde wurden direkt an Dr. Bohl (Bayer. LfW, Wiehlenbach) weitergemeldet. Sie sind in den Verbreitungskarten der gerade publizierten Broschüre "Flusskrebse in Bayern" (BOHL et al. 2001) enthalten.

Gesamtfang im Projektjahr 2001:

1800 Tiere Fischereiberechtigte und Helfer

1000 Tiere BfÖS - Reusenfänge (v.a. Harbach, Aßbach,)

1400 Tiere Fang - Wiederfangversuch durch O. Ansteeg und Mitarbeiter

4200 Tiere gesamt

Bei dem angenommenen Gesamtbestand des Signalkrebses im Projektgebiet von ca. 97000 Tieren (Projektjahr 2001) entspricht die o.g. Entnahme einer Abschöpfung von ca. 4,3 %. Aufgrund der in den vergangenen vier Jahren gemachten Erfahrungen kann in witterungsbedingt günstigeren Jahren, mit Unterstützung aller Fischereiberechtigten sowie der derzeit vorhandenen Fanggerätschaften, von einer maximalen jährlichen Entnahme im Bereich von 10 % ausgegangen werden.