Vegetationskundliche Charakterisierung

Vegetationskundliche Charakterisierung eines vorgeschlagenen FFH-Gebiets

Neben den offiziellen Gebietsmeldungen der einzelnen Bundesländer von FFH-Gebieten nach Brüssel an die Europäische Union gibt es darüber hinaus Vorschlagslisten der Naturschutzverbände. Eines dieser Gebiete liegt in Oberfranken und wurde vom "Bund Naturschutz in Bayern e.V." vorgeschlagen. Unsere Aufgabe war die vegetationskundliche Charakterisierung, eine FFH-Lebensraumtypen-Kartierung und die pflanzensoziologische Bearbeitung ausgewählter Teilflächen dieses Gebiets, welche wir im Frühsommer 2002 im Auftrag der Landesfachgeschäftsstelle des "Bund Naturschutz in Bayern" bearbeitet haben. Daneben haben wir Untersuchungen zur Weichtierfauna (v. a. Landschnecken) unternommen.

Hochstaudenfluren

Unserer Meinung nach erfüllt das Gebiet voll und ganz die Kriterien eines FFH-Gebiets, da

  • drei FFH-Tierarten (Maculinea telejus, Maculinea nausithous und das aktuell nachgewiesene Vorkommen von Vertigo angustior) vorkommen;
  • großflächige Vorkommen des vielfältig und gut ausgeprägter FFH-Lebensraumtyps 6510 "Magere Flachland-Mähwiesen", in dem die drei hier vorkommenden FFH-Tierarten leben, vorhanden sind;
  • der prioritäre FFH-Lebensraumtyp *91E0 "Weichholzauen" in typischer Struktur und Ausbildung großflächig und kaum unterbrochen vorkommt.

 

Zusätzlich kommen weitere FFH-Lebensraumtypen z.T. in guter bis sehr guter Ausprägung vor, und zwar:

3150: Natürliche eutrophe Seen mit einer Vegetation vom Typ Magnopotamion oder Hydrocharition

430: feuchte Hochstaudensäume der planaren bis alpinen Höhenstufe

9110: Hainsimsen-Buchenwald (Luzulo-Fagetum)

9130: Waldmeister-Buchenwald (Asperulo-Fagetum)

9160: Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald (Stellario-Carpinetum)

9170: Waldlabkraut-Eichen-Hainbuchenwald (Galio-Carpinetum)

Zusammen bilden sie in einer komplexen Gemengelage mit vielfältigen Wechselbeziehungen einen naturschutzfachlich sehr wertvollen Talraum (Aue und Talhänge), der im Dienste des europaweiten Natura 2000-Netzes unbedingt erhalten werden und vor Eingriffen jeglicher Art geschützt werden sollte. Aus Rücksicht auf das laufende Gerichtsverfahren, in der über die Zulässigkeit eines Infrastrukturvorhabens in diesem vom Bund Naturschutz vorgeschlagenen FFH-Gebiet entschieden wird, nennen wir hier keine Gebietsnamen.