FFH-Managementpläne

Managementpläne für FFH- und Vogelschutz-Gebiete

Nach dem § 33 Abs.3 Satz 3 BNatSchG in Verbindung mit dem Art. 6 Abs. 1 FFH-Richtlinie sind für jedes einzelne FFH-Gebiet die Erhaltungsmaßnahmen zu bestimmen, die notwendig sind, um einen günstigen Karte FFH-MAPErhaltungszustand der FFH-Lebensraumtypen und -Arten zu gewährleisten oder wiederherzustellen, die maßgeblich für die Aufnahme des Gebietes in das Netz "NATURA 2000" waren. Diese Maßnahmen werden in einem "Managementplan" ermittelt und festgelegt.

Dieser Managementplan ist eine nur für staatliche Behörden verbindliche naturschutzfachliche Handlungsanleitung, die keine Auswirkung auf die ausgeübte Form der Bewirtschaftung durch private Grundeigentümer hat; für diese begründet der Managementplan keine Verpflichtungen. Die Nutzungsberechtigten bzw. Grundeigentümer sollen für die geplanten Maßnahmen freiwillig und gegen Entgelt gewonnen werden. Daher werden betroffene Grundeigentümer, Bewirtschaf-ter, Gemeinden, Träger öffentlicher Belange und Verbände frühzeitig an der Erstellung des Managementplans beteiligt. Der EU-Kommission ist in Abständen von 6 Jahren über die Maßnahmen in den FFH- und SPA-Gebieten zu berichten. Erhaltungszustand und Maßnahmen sind daher laufend zu dokumentieren.

Beispiele:

Managementplan für das FFH-Gebiet "Unteres Zschopautal"

Das FFF-Gebiet "Unteres Zschopautal" (Landesmelde-Nr. 238, EU-Nr. 4844-301, Karte auf rechter Abbildung) umfasst ca. 834,57 ha in vier Teilflächen, liegt in den Landkreisen Döbeln und Mittweida und befindet sich nördlich und südlich der Stadt Waldheim entlang der Zschopau. Das Gebiet umfasst überwiegend die Steilhänge des Zschopautal, die natürlicherweise von Eichenwäldern und Schlucht- und Schatthangwäldern dominiert wären, jedoch real häufig Fichtenbestände sind, den oft breiten Talgrund der Zschopau mit Grünland unterschiedlicher Nutzung sowie die waldbestockten Hänge und das Offenland der kleineren Seitentäler.

An den Steilhängen ragen Felsen und Felsgruppen, häufig baumbestockt, stellenweise auch unbewaldet, auf. Bemerkenswerte Reliefstrukturen sind die süd-, ost- und nordexponierten Steilhänge am Töpelwinkel, die südexponierten Hänge zwischen Sommersberg und Steina und die nordexponierten Hänge und Schluchten westlich Ziegra (alle im Norden des FFH-Gebiets). Felsen im FFH-Gebiet Zschopautal

Im FFH-Gebiet kommen überwiegend Eichenwälder und Eichen-Hainbuchenwälder in vielfältiger Differenzierung vor, daneben auch Schlucht- und Schatthangwälder, uferbegleitende Wälder und auch Serpentin-Kiefernwald. Die Jahresdurchschnitte der Niederschlagssummen betragen ca. 700 - 800 mm, die Jahresmitteltemperaturen bewegen sich zwischen 7,8 und 8,3 °C.

FFH-Lebensraumtypen:
Im FFH-Gebiet wurden bei den Geländebegehungen im Sommer 2004 120 Flächen mit insgesamt 329,48 ha FFH-LRT und 40 Entwicklungsflächen mit zusammen 74 ha ermittelt:

FFH-LRT

Flächensumme
in ha

Anzahl

Lebensraumtyp

31501

0,3

1

Eutrophe Stillgewässer, Ausbildung 1 (Teiche)

32602

3,9

1

Fließgewässer mit Unterwasservegetation, Ausbildung 2 (Flachlandfluss)

3270

2,8

4

Flüsse mit Schlammbänken

6510

52,1

34

Flachland-Mähwiesen

82201

0,8

4

Serpentinitfelsen mit Felsspaltenvegetation

82203

2,8

11

Sonstige Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation

91101

26,3

8

Hainsimsen-Buchenwald, Ausbildung 1 (planarer bis submontaner Eichen-Buchenwald)

9170

188,5

34

Labkraut-Eichen-Hainbuchenwälder

91801

30,7

15

Schlucht- und Hangmischwälder, Ausbildung 1 (Schlucht- und Schattwälder feucht-kühler Standorte)

91802

2,3

1

Schlucht- und Hangmischwälder, Ausbildung 2 (Hangschuttwälder trocken-warmer Standorte)

91E01

1,3

1

Erlen-, Eschen- und Weichholzauenwälder, Ausbildung 1 (Eschenbach- und Quellwald)

91E02

17,1

5

Erlen-, Eschen- und Weichholzauenwälder, Ausbildung 2 (Schwarzerlenwald und Traubenkirschen-Erlen-Eschenwald)

91E03

0,9

1

Erlen-, Eschen- und Weichholzauenwälder, Ausbildung 3 (Weichholzauenwald)


Als Anhang II-Arten konnten im FFH-Gebiet Biber, Fischotter, Großes Mausohr, Mopsfledermaus, Kammmolch, Groppe und Spanische Fahne (siehe Bild, Sp. Fahne an Wassedodt) nachgewiesen werden. Die Spanische Fahne kommt an mehreren Stellen in besonnten, aber feuchten Lichtungen in den Schluchtwäldern zur Zschopau vor. Weiter konnten wir bei den pflanzensoziologischen Aufnahmen im FFH-Gebiet einige Pflanzenarten der Roten Liste Sachsen oder Deutschland ermitteln.

Bewertung und Maßnahmen:
Die Mehrzahl (96) der FFH-Flächen kommt im Erhaltungszustand "gut" vor. Aus landesweiter Sicht und im Natura2000-Netz ist das Gebiet ein wichtiger und unverzichtbarer Baustein, dessen Gebietsqualitäten erhalten werden müssen. Entsprechend ist eine Fortführung einer extensiven Grünland-Nutzung erforderlich und eine Erhaltung der FFH-Wald-LRT durch eine naturnahe forstliche Bewirtschaftung. 24 Flächen befinden sich im ungünstigen Erhaltungszustand. Flächenmäßig machen sie ca. 10 %, anzahlmäßig 20 % der FFH-LRT aus. Hier sind umfangreiche Wiederherstellungsmaßnahmen erforderlich, um diese Flächen von FFH-LRT im Gebiet wieder in einen günstigen Erhaltungszustand zu überführen. In den Wäldern sollten daher starkes Totholz und einzelne "Uraltbäume" sowie Biotopbäume belassen bzw. ihr Anteil erhöht werden. Benachbarte kleine Teilflächen sollten zusammengeführt werden. Im Offenland ist die extensive Nutzung von Grünland eine wichtige Maßnahme, um die Flächen des LRT Flachland-Mähwiesen zu erhalten. Die Felsen, an denen mehrere gefährdete Farn- und Moosarten leben, bedürfen einer Pflege (Freistellen, Auslichten, Verringerung von Ablagerungen oder der Freizeitnutzung). Für die hohe Zahl von Entwicklungsflächen sind umfangreiche Entwicklungsmaßnahmen wünschenswert. Hierzu zählt auch die Wiederherstellung der Durchgängigkeit der Zschopau. Die Fortführung der Programmteile NAK oder KuLaP des sächsischen Agrar-Umweltprogramms "UL" dient der Erhaltung der mageren Flachland-Mähwiesen in einem günstigen Erhaltungszustand.

Zschopau

Schutz:
Die Funktion des Gebiets im Natura2000-Netz liegt in der Erhaltung relativ naturnaher Lebensraumtypen wie Eichen-, Buchen- und Schluchtwälder sowie Weich- und Hartholz-Auenwälder, eines stellenweise naturnahen Fließgewässers und magerer Flachland-Mähwiesen. Aus landesweiter Sicht und im Natura2000-Netz ist das Gebiet ein wichtiger und unverzichtbarer Baustein, dessen Gebietsqualitäten erhalten werden müssen. Das Tal der Unteren Zschopau ist für mehrere FFH-Tierarten des Anhangs II der FFH-RiLi Lebensraum. Für diese Arten, die zudem relativ mobil sind (Fischotter, Biber, Fledermäuse) kann das FFH-Gebiet ein wichtiger Trittstein im überregionalen Biotopverbund sein.

 

Managementplan für das FFH-Gebiet "Tal der großen Bockau"

Das FFF-Gebiet "Tal der Großen Bockau" (Landesmelde-Nr. 282, EU-Nr. 5441-304) umfasst ca. 409 ha in drei Teilflächen. Es liegt im Naturraum D16, Erzgebirge, im Landkreis Aue-Schwarzenberg in der Gemeinde Eibenstock. Das Gebiet wird auf gesamter Länge von der Großen Bockau durchflossen und umfasst überwiegend die Steilhänge zum Bockautal, die von Fichten- und Buchenwäldern dominiert sind, den schmalen Talgrund der Gr. Bockau mit Grünland unterschiedlich intensiver Nutzung und das montan geprägte Offenland der Rodungsinsel Wildenthal.

die Große Bockau

 

Die Große Bockau unterhalb von Wildenthal ist hinsichtlich ihrer Strukturgüte, Naturnähe und landschaftlicher Schönheit sicher eines der wertvollsten Fließgewässer des Oberen Westerzgebirges. Zudem muss auf die fast nicht beeinträchtigte Durchgängigkeit des weitgehend unverbauten Fließgewässers das über weite
Strecken den Charakter eines "Wildbaches" hat, zwischen Blauenthal und Wildenthal verwiesen werden.

Das Gebiet ist zudem Refugium der Tanne, einer gefährdeten Charakterart der montanen Buchenwälder, und daher auch von hoher forstlicher Bedeutung für die Erhaltung und Wiederherstellung naturnaher Wälder. Weiter sind die ausgedehnten Bergwiesen, v. a. rund um Wildenthal, von hoher naturschutzfachlicher Bedeutung, sie sind für eine Reihe seltener und/oder gefährdeter Pflanzen- und Tierarten Lebensraum. Ebenfalls von hoher Bedeutung sind die gewässerbegleitenden Bacherlen-Eschenwälder sowie die hochmontanen Hochstaudenfluren, die entlang der Gr. Bockau vorkommen. Sie sind typisch für ein naturnahes Fließgewässer, unterliegen der Dynamik des Gewässers und stellen naturnahe Lebensraumtypen dar.

Wiesen im Tal der Großen Bockau

Im FFH-Gebiet kommen laut der heutigen potentiell natürlichen Vegetation (hpnV) überwiegend montane (Tannen-)Fichten-Buchenwald-Typen in vielfältiger Differenzierung vor. Die dominierenden Strukturtypen der CIR-Interpretation sind Nadelholzforste (Reinbestände) mit über 198 ha, gefolgt von Wirtschaftsgrünland mit 54 ha, Laubwälder (Reinbestände) mit 48 ha oder Laubmischwälder.

FFH-Lebensraumtypen:
Im FFH-Gebiet wurden bei den Geländebegehungen im Frühsommer und Sommer 2004 folgende sechs FFH- Lebensraumtypen auf 52 Einzelflächen mit insgesamt 119,1 ha Fläche ermittelt:

FFH-LRT

Flächensumme
in ha

Anzahl

Lebensraumtyp

64303

0,5

2

Hochmontane Hochstaudenfluren

6520

41,8

20

Berg-Mähwiesen

82203

0,9

4

Sonstige Silikatfelsen

91102

70,5

20

montaner - hochmontaner Tannen-Fichten-Buchenwald auf basenarmen Standorten

91E01

0,4

1

Bach-Eschenwald auf quelligen und sickerfeuchten Standorten entlang von Bächen und Hangmulden

91E02

5,1

5

Schwarzerlenwald und Traubenkirschen-Erlen-Eschenwald an schnell bis langsam fließenden Bächen und Flüssen

 

Daneben kommen 9,39 ha Entwicklungsflächen vor. Als Entwicklungsflächen wurden eingestuft: Karte des MAP Bockautal

  • alle vier Flächen des FFH-LRT 3260 Fließgewässer mit Unterwasservegetation, Berg- und Flachlandbach (kennzeichnende Unterwasservegetation fehlt durch das August 2002-Hochwasser)
  • drei Flächen des montanen-hochmontanen Tannen-Fichten-Buchenwalds
  • sechs Flächen des Eschenbach- und Quellwalds (LRT 91E01) sowie Schwarzerlenwalds (LRT 91E02)

 

Unsere pflanzensoziologischen Aufnahmen im FFH-Gebiet ergaben einige Pflanzenarten der Roten Liste Sachsen oder Deutschlands. Von besonderer Bedeutung ist das Vorhandensein von Breitblättrigem Knabenkraut und Weißtanne.

Auf die Indikatorartengruppe Tagfalter/ Widderchen hin wurde eine Bergwiese hin untersucht. Bemerkenswert ist einerseits das Vorkommen mehrerer gefährdeter Arten der RL Sachsen oder Deutschland, andererseits das Vorkommen lebensraumtypischer Arten wie Arten der Gattung Feuerfalter (Lycaena). Die meisten Flächen (44 mit insgesamt 104,60 ha) konnten mit der aggregierten Gesamtbewertungsstufe "gut" beurteilt werden, der Erhaltungszustand "mittel-schlecht" wurde für sieben Flächen mit 15,31 ha vergeben. Im Erhaltungszustand "hervorragend" konnte nur ein einziger FFH-LRT mit 1,1 ha Fläche angetroffen werden.

Maßnahmen:
Auf dieser Grundlage wurden Maßnahmen für die einzelnen Flächen erarbeitet. Bei den Wald-FFH-LRT sind v. a. strukturelle Wiederherstellungsmaßnahmen, in zweiter Linie Maßnahmen zur Entwicklung eines LRT-typischen Arteninventars erforderlich, für das Offenland eine extensive Bergwiesennutzung oder -pflege. Auf den FFH-Entwicklungsflächen kann das lebensraumtypische Arteninventar entwickelt werden. Eine Prüfung der Umsetzungsmöglichkeiten der Maßnahmenvorschläge erfolgte anhand von Behördenkonsultationen (UNB, LFP) und Interviews und Gesprächen mit den land- und forstwirtschaftlichen Betrieben bzw. Eigentümern bzw. Bewirtschaftern.