Gewässerentwicklungsplan Leinleiter

GEP Leinleiter, Gewässer II. Ordnung

Die Erstellung des Gewässerentwicklungsplanes Leinleiter erfolgte auf Grundlage des Merkblattes Nr. 5.1/3 (Stand 01.03.2001) des bayerischen Landesamtes für Wasserwirtschaft (LfW). Den Schwerpunkt der Planung legten wir dabei auf die Gewässerentwicklung und den vorbeugenden Hochwasserschutz. hoher Grundwasserstand in der Aue

Gebiet:

Die Leinleiter ist zwischen Flusskilometer (Fkm) 0.00 und 12.20 ein Gewässer II. Ordnung und befindet sich in Nordbayern zwischen Heiligenstadt und Ebermannstadt (Landkreise Bamberg und Forchheim). Sie mündet nordöstlich von Ebermannstadt in die Wiesent und liegt im Naturraum Nördliche Frankenalb. Das Einzugsgebiet der Leinleiter umfasst insgesamt rund 97 km². Sie durchquert drei Gemeinden: Ebermannstadt, Unterleinleiter und Heiligenstadt. Mehrere kleinere Seitengewässer münden in die Leinleiter. Im Planungsraum sind zwei Gewässerlandschaften vertreten (das Karstgebiet des Weißen Jura und der obere Dogger).

Zustand der Leinleiter:

Die Leinleiter vermag bei jährlichen Hochwasserereignissen, ihr Bachbett in den meisten Bereichen zu verlassen. Hochwasserschutzbauwerke verhindern nur direkt in den Ortschaften ein Ausufern der Leinleiter. intensive Auenutzung als AckerDer Einfluss des erhöhten Grundwassers bei Hochwasserereignissen auf einigen Wiesen führte zur Herausbildung naturschutzfachlich wertvoller Feucht- und Nasswiesengesellschaften. Allerdings liegen auch Äcker und intensiv genutzte Flächen innerhalb der Aue. Das Einzugsgebiet der Leinleiter ist zum Teil von Wald bestanden, große Bereiche nimmt jedoch auch das Offenland mit Grünland und Acker ein.

Die Strömungsvielfalt ist auf über 80 % der Fließstrecke der Leinleiter groß. Rückstaubereiche sind nur an den nicht durchgängigen Querbauwerken vorhanden. Bei etwa 50 % der Leinleiter musste ein Verbau der Ufer festgestellt werden. Die Sohlsubstratvielfalt ist mäßig, Anlandungen finden sich ausgeprägt oder angedeutet auf über der Hälfte der betrachteten Strecke. Die Gewässergüte nach dem Saprobiensystem liegt im gesamten Planungsraum bei Gewässergüte II.

Im Talraum überwiegt die Grünlandnutzung. Extensiv genutzte Nasswiesen, Hochstaudenfluren und Großseggenbestände, die wertvolle Biotoptypen und Habitate seltener und hochgradig gefährdeter Tier- und Pflanzenarten darstellen, sind nur noch kleinflächig erhalten. Größere Reste der Auwaldvegetation fehlen.

Die größten Defizite

… an der Leinleiter und ihrer Zuflüsse bestehen hinsichtlich der bisher nicht vollständig gegebenen Durchgängigkeit, was zu einer Begrenzung des Arteninventars führt. Die Verschlammung der Sohle aufgrund des Eintrags von Feinmaterial bedingt ein Fehlen typischer Fischarten. Die intensive, meist großflächige Auenutzung und damit verbunden das Fehlen typischer Auevegetation wie Auwälder, Gewerbe im Uferstreifendurchgehende Ufergehölze und Hochstaudenfluren begrenzen das Spektrum der damit verbundenen Arten- und Lebensgemeinschaften. Ein oft durchgehender Uferverbau auch im Außenbereich führt zu einer weitgehenden Unterdrückung der Eigendynamik der Leinleiter und einer Verringerung des Feststoffeintrags. Auf der überwiegenden Fließstrecke der Leinleiter fehlt weit-gehend ein durchgängiger Gewässerrandstreifen, was zusammen mit den oft nur lückig vorhandenen Ufergehölzen zu einer fehlenden Beschattung des Gewässers (Erhöhung der Wassertemperatur) und einer Verringerung der Strukturvielfalt und des Nahrungs- und Habitatangebots für typische Arten- und Lebensgemeinschaften führt. Eine größtenteils intensive Entwässerung der Aue zog ein Absinken des Grundwasserspiegels nach sich, was zur Veränderung des Wasserhaushalts und der Artenzusammensetzung der Auestandorte (Reduzierung Feucht- und Nassstandorte) führte.

Das Entwicklungskonzept:

Die wichtigsten Entwicklungsziele für die Leinleiter haben wir an den größten Defiziten ausgerichtet:

  • Herstellung der biologischen Durchgängigkeit (Leinleiter und Zuflüsse) mäandrierende Leinleiter in extensiver Aue
  • durchgehend extensiv bis nicht genutzten Uferstreifen als Lebensraum typischer Ufergehölze und feuchter Hochstaudenfluren sichern
  • Förderung gewässerverträglicher Auenutzung, Umwandlung Äcker in Grünland
  • Förderung auetypischer Grundwasserverhältnisse mit typischen Feucht- und Nassstandorten
  • Bereitstellen und Sichern von Entwicklungsflächen für eigendynamische Entwicklung der Leinleiter (Vorrang Eigenentwicklung vor massiven Baumaßnahmen)
  • Aktivierung von Retentionsräumen in der Aue, Sicherung und Extensivierung bereits vorhan-dener Retentionsräume
  • langfristige Entwicklung von Primärstandorten (Auwald) in Teilbereichen fördern


Die wichtigsten Vorschläge zum vorbeugenden Hochwasserschutz sind:

  • Wälder im Einzugsgebiet als hervorragende Wasserspeicher erhalten und fördern,
  • Auwälder fördern für den Rückhalt der Hochwässer in der Fläche und eine Verzögerung des Abflusses, renaturierter Bereich hochwasserführend
  • in der Aue befindliche Ackerflächen in Grünland umwandeln,
  • Äcker im Einzugsgebiet im Sinne einer konservierenden Bodenbearbeitung nutzen,
  • Entwässerungssysteme (Rohre, Dränung) in der Aue auf Notwendigkeit prüfen und nach Möglichkeit auflassen,
  • Uferbereiche als ungenutzten Randstreifen schützen und Ufergehölze fördern,
  • bestehende Retentionsräume vor Versiegelung / Nutzungsintensivierung schützen,
  • ehemalige Retentionsräume zurückgewinnen, nach Möglichkeit Versiegelungen zurücknehmen oder gegen versickerungsfähige Materialen austauschen,
  • Akzeptanz für HW-Schutzmaßnahmen in der Bevölkerung fördern.

 

Unser Gewässerentwicklungsplan Leinleiter enthält folgende Karten:

  • Bestands- und Bewertungskarte der aktuellen Situation des Gewässers sowie seiner Aue und Darstellung der Maßnahmenhinweise zur Erreichung der Entwicklungsziele in einer kompakten Karte (Maßstab 1:5000, siehe unten) zur besseren Übersichtlichkeit (Planungsgebiet somit 6 Teilkarten);
  • Entwicklungskonzept: Entwicklungsziele für das gesamte Einzugsgebiet des betrachteten Gewässerbe-reiches (Maßstab 1:25 000), Aufzeigen der wesentlichen Ziele für das Gewässer und seine Aue (inkl. Seitengewässer)
  • Darstellung des für die Umsetzung der Maßnahmen notwendigen Grunderwerbs in extra Kartensatz